Länder außerhalb des Weltverfolgungsindex

Für den jährlichen Weltverfolgungsindex beobachtet Open Doors neben den 50 in der Rangliste aufgeführten Staaten noch weitere Länder, in denen Christen ihren Glauben nicht frei leben können. Einige werden an dieser Stelle kurz vorgestellt.

Mann aus SansibarSansibar: Die Inselgruppe Sansibar ist ein autonomer Teil des ostafrikanischen Staates Tansania, der sich weitgehend selbst regiert, aber auch im Parlament des Landes vertreten ist. Mit einer Punktzahl* von 47,5 in der Bewertung der Glaubensfreiheit für Christen hätte es im Weltverfolgungsindex aufgeführt werden können. Doch da Sansibar nur ein kleiner Teil von Tansania ist, hat Open Doors sich in diesem Jahr gegen eine Aufnahme in die Rangliste entschieden. Während das Festland Tansanias überwiegend christlich geprägt ist und die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, ist die Bevölkerung der Inselgruppe Sansibar nahezu ausschließlich muslimisch. Sansibar besteht aus drei Inseln: Unguja (die Hauptinsel), Tumbatu und Pemba. Die Situation der Christen dort verschlechtert sich aufgrund des wachsenden Einflusses islamischer Extremisten. Im Visier stehen sie bei Einzelpersonen auf Regierungsebene sowie von radikalen Gruppen und politischen Parteien. Weil viele Touristen die Inseln besuchen, gerät die Gemeinschaft konservativer Muslime langsam mit "Fremden" in Kontakt. Dies lässt zwar auf eine Verbesserung der Verfolgungslage hoffen, könnte aber auch verstärkt extremistische Muslime nach Sansibar bringen, um einer Verwässerung oder Verwestlichung des muslimischen Charakters entgegen zu wirken. Einschätzungen zur Zukunft der Christen sind derzeit schwer abzugeben, doch Sansibar und auch das Festland Tansania werden weiter beobachtet. (Bibelverteilung in Sansibar - Foto Open Doors)

Nordzypern: Mit einer Bewertung von 36 Punkten* hätte dieser Mittelmeerstaat ebenfalls auf dem Weltverfolgungsindex erscheinen können. Doch die Hintergrundinformationen zur Situation bedrängter Christen sind noch nicht ausreichend, um belastbare Angaben zur Situation zu machen. Nordzypern hat sich selbst für unabhängig erklärt, wird jedoch international lediglich von der Türkei und der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) anerkannt, bei der es Beobachterstatus hat. Auf der Halbinsel liegen die Gründe für die Schwierigkeiten von Christen im muslimischen Charakter der Region. Abgesehen vom laufenden internationalen Konflikt um die Souveränität der Republik Zypern, könnte die Menschenrechtslage in Nordzypern als annehmbar bezeichnet werden. Die Regierung von Nordzypern ist jedoch gegen Christen sehr voreingenommen. Es gibt einen kleinen christlichen Bevölkerungsanteil griechisch-orthodoxer, anglikanischer, maronitischer und katholischer Konfessionen sowie ein paar tausend ausländische Christen. Doch Religionsfreiheit nach westlichem Vorbild bleibt ihnen verwehrt.

Niger: Das nächste Land, das fast auf den Index gekommen wäre, ist Niger mit 26,5 Punkten*. Die Hauptursachen für eine zunehmende Verfolgung von Christen in dem westafrikanischen Staat - der Heimat von rund 50 000 Christen - sind der Islam und starke Familientraditionen. Der wachsende Einfluss saudi-arabischer Kräfte und das mögliche Übergreifen der extremistisch-islamischen Gewalt gegen Christen im benachbarten Nigeria stellen für die Christen im Niger eine große Bedrohung dar. Noch kann man im Niger nicht von einer Islamisierung sprechen. Doch da diese ein regionaler Trend ist und es bereits zu einigen gewalttätigen Übergriffen gegen Christen gekommen ist, wird Niger weiter von Open Doors beobachtet. 

Russland: Höhere Punktzahlen anderer Länder bei der Bewertung zum Weltverfolgungsindex 2012 haben Russland (25,5 Punkte*) aus dem Weltverfolgungsindex gedrängt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Lage der Christen insgesamt verbessert hat. Die Gesetze Russlands legen zwar prinzipiell Religionsfreiheit für alle Konfessionen fest, die Praxis sieht jedoch anders aus. Im Gesetz zur Gewissensfreiheit von 1997 werden nur vier "traditionelle" Religionen in Russland anerkannt: die östliche Orthodoxie, der Islam, der Buddhismus und das Judentum. Für nicht-orthodoxe Christen sind die Freiheiten eingeschränkt. In der Republik Dagestan werden Christen auch von Muslimen verfolgt, wo viele Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben in kleinen, diskreten Hausgruppen praktizieren müssen. Die am 6. Oktober 2011 bekannt gegebenen neuen Änderungsvorschläge der Regierung für das Gesetz über die Freiheit des Gewissens und religiöser Organisationen (1997) könnten die Religionsfreiheit im Land erheblich einschränken, sofern sie angenommen werden.

Gottesdienst in Sri LankaSri Lanka: Die Mehrheit der Bevölkerung Sri Lankas ist buddhistisch. Der Buddhismus ist eng mit der Geschichte des Landes, der Kultur und der Sprache verknüpft. Viele Anführer der Unabhängigkeitsbewegung im Jahr 1948 waren buddhistische Führer.  In der Gleichsetzung von Buddhismus mit dem Staat Sri Lanka liegt auch die Hauptursache für christenfeindliche Aktionen. Sri Lanka erreichte in der Bewertung der Situation für Christen 25 Punkte*. Doch die Situation für die christliche Minderheit hat sich zuletzt etwas entspannt. Zwar ist es einerseits weiterhin sehr schwer, eine Genehmigung für den Bau einer Kirche zu erhalten; sporadisch werden Pastoren tätlich angegriffen und die Häuser christlicher Familien überfallen. Auch ein Antibekehrungsgesetz wartet immer noch auf seine Verabschiedung. Andererseits wird Kirchengebäuden als Teil des kulturellen Erbes offiziell Schutz gewährt. Bei der Einführung eines neu ernannten katholischen Bischofs äußerte der Präsident des Landes öffentlich, es sei eine Ehre für das ganze Land, den neuen Bischof willkommen zu heißen. (Symbolfoto Open Doors)

Mexiko: Für die Schikanierung, Unterdrückung und Verfolgung von evangelischen Christen in ganz Mexiko (24 Punkte*) gibt es vielerlei Gründe. Besonders in kleinen ländlichen Ortschaften der südlichen Bundesstaaten vermischen katholische Gemeinden weiterhin den Katholizismus mit uralten indianisch-heidnischen Überzeugungen und Bräuchen. Christen, die sich weigern, Gelder für die Ausrichtung religiös-heidnischer Feste der überwiegend katholischen Dorfgemeinschaft zu entrichten, werden bestraft. Gläubige wurden ihres Glaubens wegen mit Bußgeld belegt, inhaftiert, verprügelt oder ermordet. Die "caciques"  (Dorfoberste), die in ganz Mexiko in ländlichen Regionen als örtliche Grundherren und Geschäftsinhaber viel Einfluss haben, wenden sich auch gegen evangelische Christen. Hinzu kommt, dass Mexiko im Allgemeinen unter der Geißel des organisierten Verbrechens steht. Kriminelle Organisationen und Drogenkartelle betrachten christliche Gemeinden als direkte Bedrohung ihrer Macht. Denn nach gängiger christlicher Lehre ist der christliche Glaube nicht mit Drogenkonsum oder gar –handel zu vereinbaren. Zudem fordern mafiöse Gruppen meist Loyalität und die Bindung ihrer Mitglieder an die Gruppe.

* Punkte: 0= völlige Freiheit  100= totale Unterdrückung 

Hier geht es zum Weltverfolgungsindex 2012 und Zusatzartikeln...

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