Weltverfolgungsindex

Tschetschenien

Tschetschenien ist formal immer noch Teil der Russischen Föderation, doch die Unabhängigkeitskriege während der 1990er Jahre gegen islamische Rebellen und die russische Armee sind der Allgemeinheit noch in Erinnerung. Weiterhin bestehen in dem Land im Nordkaukasus Spannungen, und gelegentlich kommt es zu terroristischen Anschlägen - auch im benachbarten Dagestan und anderen nordkaukasischen Regionen. Dies geschieht, obwohl Russland viele separatistische Führer getötet hat und es 1999 gelang, ein moskaufreundliches tschetschenisches Regime einzusetzen.

Voranschreitende Islamisierung

Mit Ende des Krieges mit Russland haben die meisten russischen Christen Tschetschenien verlassen. Die wenigen Christen praktizieren ihren Glauben im Verborgenen, um nicht aufzufallen und den Unmut nationalistischer oder islamistischer Kräfte auf sich zu ziehen. Tschetschenien ist eins der Gebiete in Russland, wo der Islam eine wichtige Rolle spielt. Offiziell gilt zwar in Tschetschenien die russische Gesetzgebung, aber es gibt auch einige örtliche Vorschriften, welche die Religionsfreiheit einschränken. Das Regime des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov hat seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, die Scharia einzuführen, was noch nicht erfolgt ist. Die Regierung hat jedoch bereits Kleidervorschriften erlassen. Einer unausgesprochene Regel zufolge müssen alle Frauen, die für die Regierung arbeiten, bei der Arbeit ihren Kopf bedecken, und alle für die Regierung tätigen Männer müssen freitags eine besondere Kleidung anziehen. Langsam aber sicher wird das Land islamisiert. Es wird angenommen, dass der Prozess dieser allmählichen Islamisierung vom tschetschenischen Regime aus Pragmatismus durchgeführt wird, um dem Druck islamistischer Gruppen nachzukommen, die im ganzen Land sehr stark sind. Das seit Langem existierende Bestreben, Tschetschenien in ein all-islamisches Kalifat umzuwandeln, wird auch unter der Regierung Kadirovs aufrecht erhalten. In Grosny, der Hauptstadt von Tschetschenien, wurde die größte Moschee im Kaukasus erbaut. Die Jugend ist von der korrupten Regierung enttäuscht, ihr fehlen aufgrund der grassierenden Arbeitslosigkeit jegliche Perspektiven.

Einheimische Christen

Alle einheimischen Christen sind Christen muslimischer Herkunft. Sie leiden unter staatlicher und familiärer Unterdrückung. Es gibt nur wenige Versammlungen tschetschenischer christlicher Gruppen, und diese haben nicht mehr als drei bis fünf Mitglieder.

Besonders auf lokaler Ebene setzen Behörden und die eigene Familie Christen mit muslimischer Herkunft unter Druck, zum Islam zurückzukehren. Konvertiten stehen unter ständiger Beobachtung. Es ist vorgekommen, dass Ehemänner ihre Frauen misshandelt haben, nachdem sie christliche Literatur bei ihnen fanden. Den Islam zu verlassen, bringt nach dem Verständnis von Muslimen Schande über die Familie und verletzt die Familienehre. Um sie wieder herzustellen, ist man selbst zur Tötung der Konvertiten bereit.

Wie in anderen Ländern ist die Christenverfolgung nicht nur religiös, sondern auch politisch motiviert, da das Christentum mit Russland in Verbindung gebracht wird, mit dem man Krieg führte. Tschetschenische Christen, deren Glaube bekannt wird, gelten als Verräter am Islam und an der Gesellschaft. Der Übertritt zum Christentum ist für die Familie eine große gesellschaftliche Schande, und manchmal wird der "Schuldige" getötet, um die Ehre wieder herzustellen (Ehrenmord). Gemeinschaft mit anderen Christen zu pflegen oder den eigenen Glauben offen zu bekennen, ist fast unmöglich. Die Gemeinde Jesu in dem Land muss viele Nöte ertragen. Menschen, deren christlicher Glaube entdeckt wurde, erhielten ernstzunehmende Todesdrohungen und mussten das Land verlassen.

Das allgemeine religiöse Klima in Tschetschenien ist immer islamisch geprägt gewesen, und der Einfluss des Islams nimmt zu. Das einzige, was die Islamisierung des Landes eindämmt, ist seine politische Abhängigkeit von Russland. Tschetschenien bleibt einer der schwierigsten Orte für Christen.

 

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