Weltverfolgungsindex

Pakistan

Christen sind in dem islamisch geprägten Land schon lange eine bedrängte Minderheit. Sie machen nahezu drei Prozent der Bevölkerung aus. Alle anderen sind Muslime. Morddrohungen gehören für Pastoren und Gemeindeleiter zum Alltag. Fast jeden Monat kommt es zu tätlichen Angriffen und der Beschädigung kirchlicher Immobilien. Der Druck kommt von mehreren Seiten.

Seitens der Behörden besteht kaum Interesse, Übergriffe strafrechtlich zu verfolgen. Auch sind die pakistanischen Blasphemie-Gesetze berüchtigt und werden immer wieder willkürlich gegen Christen eingesetzt. Islamische militante Organisationen und eine auf den Regeln des Islams basierende Kultur machen Christen zu Bürgern zweiter Klasse. Gleichzeitig gewährt ihnen Pakistans Gesetzgebung eine gewisse Freiheit, etwa Kirchen zu betreiben. Doch andererseits ist die schwache und korrupte Zentralregierung offenbar weder willens noch fähig, religiöse Minderheiten wie die Christen zu schützen. Pakistanische Christen haben in ihrer Heimat wenige Verbündete.

Willkür durch Blasphemie-Gesetz

Das Blasphemie-Gesetz beruht auf Artikel 295 des pakistanischen Strafgesetzbuches, der Angriffe auf den Koran und Schändung und Beleidigung des Propheten Mohammed mit lebenslanger Haft bzw. der Todesstrafe ahndet. Doch nicht nur vor Gericht wiegt der Vorwurf der Blasphemie schwer. Immer wieder nehmen Radikale das Gesetz in die eigene Hand und greifen Kirchen oder ganze Dörfer mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung an. Nach Ansicht von Menschenrechtlern unterstützt das Blasphemie-Gesetz indirekt willkürliche Übergriffe auf Christen.

Bürger 2. Klasse

Ihre Aussagen vor Gericht zählen nur halb so viel wie die von Muslimen. Entführungen, Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen und Zwangsbekehrungen christlicher Frauen durch muslimische Männer werden in der Regel von der Justiz nicht verfolgt. Zeigt etwa eine Christin eine Vergewaltigung oder Entführung an, ist nicht ausgeschlossen, dass sie selbst wegen Ehebruch angeklagt wird. Außerdem wird Christen der Zugang zu Leitungsposten in staatlichen Einrichtungen verwehrt. 

Selbst in den Gefängnissen werden Christen diskriminiert. So gibt es für Muslime Moscheen innerhalb der Gefängnismauern; Christen hingegen haben keine Möglichkeiten, einen Gottesdienst zu besuchen. Für Christen ist die Lage im Land insgesamt sehr unsicher. Gottesdienste in großen Kirchen werden von nur einem oder zwei Polizeibeamten bewacht. Gegen eine gewalttätige Gruppe muslimischer Extremisten können sie nichts ausrichten.

Todesstrafe für Islam-Beleidigung

Das oben erwähnte pakistanische Blasphemie-Gesetz wurde 1985 eingeführt. Viele christliche Mitarbeiter in Pakistan halten nicht das Blasphemie-Gesetz für das eigentliche Problem, sondern die allgemeine Islamisierung der Gesellschaft. Sie hat dazu geführt, dass Nicht-Muslime regelmäßig diskriminiert werden und sich schnell den Volkszorn zuziehen können. Das Strafgesetz basiert auf der Scharia und sieht unter anderem Auspeitschen und Steinigung als Strafe für Ehebruch, Glücksspiel und Alkoholkonsum vor.

Das Gesetz wird häufig von Muslimen missbraucht, um Christen und andere religiöse Minderheiten unter Druck zu setzen. Es sieht unter anderem lebenslang Gefängnis oder gar die Todesstrafe für die Beleidigung des Islam vor. Bei Streitigkeiten zwischen Muslimen und Christen beispielsweise um die Rückzahlung von Darlehen oder um Grundstücksfragen, wurden Christen immer wieder grundlos beschuldigt, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Dadurch erreicht der muslimische Schuldner sehr schnell, das Geld nicht zurückzahlen zu müssen oder das Grundstück zu bekommen. Im November 2010 wurde erstmals eine Frau erstinstanzlich aufgrund der Blasphemiegesetze zu Tod verurteilt. Asia Noreen soll in einem Streit mit anderen Frauen über Religion den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben. Die Mutter von fünf Kindern beteuert ihre Unschuld. Zwei hochrangige Politiker, der muslimische Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer und der christliche Minderheitenminnister Shahbaz Bhatti wurden ermordet. Beide hatten sich für Asia Noreen eingesetzt und in diesem Zusammenhang die Blasphemiegesetze kritisiert.

Doch trotz des feindlichen Klimas wächst die christliche Minderheit in Pakistan. Immer wieder treten einzelne Muslime christlichen Gemeinden bei, insgesamt in bemerkenswerter Zahl.

Mehr über das Blasphemiegesetz in Pakistan und Verordnungen in anderen Ländern erfahren Sie hier.

 

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