Weltverfolgungsindex

Nordkorea

Das Land ist tief geprägt von einem in der stalinistischen Tradition stehenden Personenkult, durch den der verstorbene Diktator Kim Il Sung quasi zu einem Gott erhoben wird. Die Regierung setzt die "Juche"-Philosophie (sprich "Dschutsche"), einschließlich der Verehrung Kim Il Sungs und seines Sohnes Kim Jong Il rücksichtslos durch.

Zwei Menschen anbeten

Der verstorbene Kim Il Sung ("der ewige Präsident") muss als ewig gegenwärtiger Gott-Vater angebetet werden. Sein Sohn, Kim Jong Il ("der geliebte Führer" oder "ewiger Sohn der ewigen Sonne"), ist der von ihm erwählte Retter. Die "Juche"-Philosophie soll als Geist der vollkommenen Revolution – frei von allen Einflüssen außerhalb Nordkoreas – jede Ebene der Gesellschaft und des Denkens durchdringen, um paradiesische Frucht hervorbringen zu können.

Isoliertes Land

Seit den 1970er Jahren ist diese Ideologie auch in die Verfassung aufgenommen worden und ergänzt als neue revolutionäre Weltanschauung den Marxismus-Leninismus. Juche bedeutet soviel wie "Subjekt", "Selbstbestimmung" oder "Eigenständigkeit". Nach dieser Ideologie steht der Mensch zwar theoretisch im Mittelpunkt aller (seiner) Entscheidungen, andererseits wird ihm in der Praxis absolute und bedingungslose Loyalität gegenüber dem Führer des Volkes abverlangt. Zudem geht die Juche-Weltanschauung mit einer vom Ausland unabhängigen Wirtschaftsphilosophie einher. Diese isoliert Nordkorea wie kaum ein anderes Land auf der Welt von der internationalen Gemeinschaft und führt es in Verbindung mit der realsozialistischen Planwirtschaft immer wieder an den Rand des ökonomischen Zusammenbruchs.

Alle konkurrierenden Religionen sind verboten. Der im Juli 1994 verstorbene Kim Il Sung wird als "die ewige Sonne" verehrt, als der "unsterbliche Vater". Sein Geburtstag, der 15. April 1912, markiert den Beginn der nordkoreanischen Juche-Zeitrechnung. Seit Kim Il Sungs Tod ist sein Sohn Kim Jong Il an der Macht. Auf tausenden von meterhohen Bildern, die das ganze Land überschwemmen, ist der Vater kaum vom Sohn zu unterscheiden - entsprechend der Doktrin der Regierung: Vater und Sohn sind eins. Die Juche-Ideologie der völligen Selbstbestimmung des eigenen Schicksals bildet zusammen mit dem Führer-Team eine Dreiheit.

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Kein freier Glaube erlaubt

Die öffentliche Religionsausübung ist strikt verboten. Verletzungen der Menschenrechte, einschließlich vieler Rechtsbrüche auf religiösem Gebiet, sind im kommunistischen Nordkorea an der Tagesordnung. Das Christentum gilt als gefährlicher ausländischer Einfluss, der den Anstoß für den Zusammenbruch kommunistischer Regime in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion gegeben haben soll. Deshalb wird es als eine der größten Bedrohungen für die Macht des Regimes angesehen. Infolgedessen bemühen sich die nordkoreanischen Behörden sehr stark, das Christentum auszurotten. Das Leben der Christen, die sich nur im Untergrund versammeln können, ist extrem hart. Entdeckte Christen werden verhaftet, gefoltert oder getötet. Open Doors schätzt, dass es mindestens 200.000 Christen im Untergrund gibt, die Zahl könnte sogar bei 400.000 liegen.

Christen aufspüren

Sechs aus Nordkorea geflohene Sicherheitsbeamte berichteten der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit, sie seien angewiesen worden, Christen auszuspähen und zu verhaften. Laut ihren Aussagen betrachtet die nordkoreanische Regierung Religion im Allgemeinen – und das Christentum im Besonderen – als Hauptbedrohung für die nationale Sicherheit, so der Informationsdienst Compass Direct. Sie berichteten auch über Versuche, religiöse Aktivitäten entlang der Grenze mit China zu stoppen. Dazu habe man fingierte Gebetstreffen in China organisiert, um nordkoreanische Flüchtlinge, die Christen wurden, zu fassen. Ebenso erhielten Beamte eine theologische Grundausbildung, um in Gemeinden in China unterzutauchen und unter den Gottesdienstbesuchern nach Nordkoreanern zu suchen. Die Agenten beschrieben die Verhaftung und Verhöre nordkoreanischer Flüchtlinge als "Gegenspionage", da die Regierung der Auffassung sei, südkoreanische Missionare seien Spione. Die Verbreitung des Christentums in Nordkorea wird als durchdachte Verschwörung zwischen Südkorea und den USA zur Untergrabung oder Vernichtung der nordkoreanischen Regierung betrachtet.

Flucht aus Nordkorea

Beim Versuch, nach China zu flüchten, setzen Nordkoreaner ihr Leben aufs Spiel. Nach Angaben der chinesischen Regierung sollen sich rund 50.000 bis 70.000 Nordkoreaner in China befinden. Nachdem Flüchtlinge die Grenze überqueren, kommen einige von ihnen mit Christen in Kontakt. Viele von ihnen sind selbst Christen geworden und einige haben sich entschieden, nach Nordkorea zurückzukehren, um ihrem Volk das Evangelium zu verkünden. Die Behörden haben es besonders auf die Verhaftung dieser Heimkehrer abgesehen.

Arbeitslager

Wenn in einem Haus eine Bibel gefunden wird, kann die gesamte Familie in ein Arbeitslager kommen. Ein Gefängniswärter werde befördert, wenn es ihm gelinge, einen Christen durch Folter zum Aufgeben seines Glaubens zu zwingen, berichten Augenzeugen. Zwischen 50.000 und 70.000 Christen werden in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten. Christen gelten als politische Straftäter und müssen täglich Schwerstarbeit leisten. Man schätzt, dass rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Arbeitslagern erwirtschaftet werden.

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