Weltverfolgungsindex

Marokko

Laut Verfassung ist der Islam Staatreligion. König Mohammed VI. gilt als "Herrscher der Gläubigen". Er muss daher den Platz des Beschützers des Islam einnehmen. Muslime haben in Marokko nicht die Freiheit, zu einer anderen Religion zu wechseln. Per Gesetz steht die Konversion eines Muslims zu einer anderen Religion zwar nicht unter Strafe. Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren jedoch gesellschaftlichen Druck und sind sozial isoliert. Außerdem steht der "Proselytismus" unter Strafe. Der Begriff wird weithin so verstanden, dass Menschen mit Hilfe falscher Versprechungen oder Bestechung dazu überredet werden, zum christlichen Glauben überzutreten. Seit 2009 ist ein verstärktes Vorgehen der Behörden gegen die christliche Minderheit zu beobachten, was die Christen zusätzlich einschüchtert.

Die Regierung verbietet die Verteilung von christlicher - besonders arabischer - Literatur. Die Weitergabe des Evangeliums an Muslime (Mission unter Muslimen) steht unter Strafe. Ausländische Christen dürfen ihren Glauben praktizieren, doch werden sie von den Behörden beobachtet. Marokkanische Muslime dürfen anerkannte Kirchen nicht besuchen. Eine Predigt in Anwesenheit eines Muslims könnte von Behörden als Versuch gedeutet werden, seinen Glauben "zu erschüttern". In den meisten größeren Städten gibt es Kirchen. Das Läuten von Kirchenglocken ist verboten. Kirchen genießen in verschiedenen Abstufungen Freiheit.

Ehemalige Muslime unter Druck

Durch den technischen Fortschritt erfahren Marokkaner über christliche Fernseh- und Radioprogramme via Satellit vom Evangelium. Ehemalige Muslime praktizieren ihren Glauben aus Angst vor Repressalien im Geheimen und treffen sich in kleinen Hausgruppen. Entschließt sich ein Muslim Christ zu werden, droht ihm,  von seiner Familie oder der Gesellschaft ausgegrenzt und unter Druck gesetzt zu werden, zum Islam zurückzukehren. Obwohl marokkanische Gläubige vorsichtig sind, wissen die Behörden, wer ein "Abtrünniger vom Islam" ist. Konvertiten berichten von regelmäßigen Hausdurchsuchungen der Geheimpolizei und Bespitzelungen. Fast monatlich bestellt die Polizei Hausgemeindepastoren und -mitglieder zu Verhören auf die Wache ein. Einige wurden schon verhaftet und unter Druck gesetzt. Über das Internet-Netzwerk "Facebook" hetzten schon extreme Muslime gegen Konvertiten.

Ausweisungen ausländischer Christen

Seit Anfang des Jahres 2010 geht die Regierung gegen ausländische Christen vor. In Ausweisungswellen wurden über 100 Christen des Landes verwiesen oder durften nach einem Auslandsaufenthalt nicht wieder einreisen. Ihnen wird "Proselytismus" vorgeworfen. Gemeint ist, Marokkaner mit falschen Versprechen oder Anreizen zu bestechen, damit sie Christen werden. Für diese Unterstellungen konnten keine Beweise vorgelegt werden. Teilweise lebten die Männer und Frauen unterschiedlicher Nationalitäten seit über zehn Jahren in Marokko, weshalb ihre Ausweisung gegen geltendes Landesrecht verstößt. In keinem Fall hielten sich die Behörden an das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren zur Durchführung einer Ausweisung. Die ausgewiesenen Christen arbeiteten als Unternehmer, Sozialarbeiter oder Entwicklungshelfer.

 

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