Weltverfolgungsindex

Komoren


 

Die Verfassung der islamischen Republik Komoren erkennt jedem Menschen zwar Religionsfreiheit zu. Doch nach einer im Mai 2009 durchgeführten Volksbefragung wurde die Verfassung des Inselstaates im Indischen Ozean geändert und das Land als islamischer Staat ausgerufen.
Dieser Schritt bedeutet eine starke Einschränkung der Religionsfreiheit. Das Strafrecht verbietet die Werbung für den Übertritt zu einer anderen Religion als dem Islam. Jeder Apostat (Abgefallener vom Islam) kann strafrechtlich verfolgt und vor Gericht gestellt werden. In der Praxis wird das islamische Recht (Scharia) bisher noch nicht umgesetzt.

Kontrollierter Glaube

Christen muslimischer Herkunft leben ihren Glauben daher im Verborgenen und treffen sich heimlich in Untergrundgemeinden. Nur Ausländern ist es erlaubt, sich zu versammeln. Die Polizei ist wachsam und vernimmt verdächtige Ausländer eingehend. Die öffentliche Verteilung von Bibeln und christlicher Literatur oder der Versuch, Muslime zu bekehren, wird mit Geld- oder Freiheitsstrafen bestraft. Ausländische Christen können ausgewiesen werden.

Gesellschaftliche Kontrolle

Die einheimische muslimische Mehrheitsgesellschaft übt enormen Druck auf nicht-muslimische Bürger und Ausländer aus, damit sie auf den Komoren, vor allem während des Ramadans, islamische Riten praktizieren. Dies schüchtert Nicht-Muslime ein, so dass sie ihre Gottesdienste in Abgeschiedenheit feiern. Eine derartige Härte vonseiten der Gesellschaft ist ungewöhnlich. Die meisten Bürger kennen einander gut und gehen unabhängig vom Glauben friedlich miteinander um. Der Einfluss radikaler Elemente aus dem Iran veranlasst jedoch Muslime in örtlichen Moscheen dazu, hinsichtlich christlicher Aktivitäten wachsam zu sein. Ein Informant äußerte gegenüber Open Doors: "Sie verunglimpfen den christlichen Glauben fortwährend, schüren die Emotionen und fördern so Verfolgung."

Verborgener Glaube

Christen muslimischer Herkunft gelten nach vorherrschender Meinung als "Abtrünnige vom Islam" und können aufgrund ihres neuen Glaubens geschlagen, verhaftet oder gar aus ihren Familien verbannt werden. Den Islam zu verlassen und Christ zu werden, ist für einen Muslim eine gefährliche Entscheidung und gemäß dem islamischen Recht ein todeswürdiges Verbrechen.

Doch haben Christen muslimischer Herkunft auf dem Komoren dem Verfolgungsdruck widerstanden. In einigen Teilen der Gesellschaft genießen sie jetzt mehr Akzeptanz als früher. Ein Beispiel: Auf Grande Comore, der größten Insel der Komoren, müssen die Christen zwar weiter im Untergrund anbeten. Doch während Verwandte deren neuen Glauben akzeptiert haben, sind andere Teile der Gesellschaft wie Polizei, extremistische Kräfte oder leitende muslimische Geistliche aus Moscheen dafür nicht offen. In der Region Anjouan, eine der drei Hauptinseln der Republik, insbesondere in der Stadt Musamadu, ist bekannt, wer Christ ist und wo sich eine Gruppe trifft. Niemand geht hier gegen die Gläubigen vor. Diesen positiven Beispielen steht jedoch der Druck der Mehrheitsgesellschaft gegenüber, die muslimische Sitten und Riten streng hütet.  

Christenverfolgung heute - Wie Sie sich aktiv für verfolgte Christen einsetzen können, erfahren Sie hier...

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