Der Islam ist im Iran Staatsreligion, und alle Gesetze und Vorschriften müssen der offiziellen Interpretation der Scharia-Gesetze entsprechen. Diesen zufolge muss jeder Muslim, der den Islam verlässt und beispielsweise Christ wird, zurück zum Islam gebracht oder mit dem Tod bestraft werden.
Religionswechsel ein Verbrechen
Mit großer Mehrheit wurde bei einer ersten Lesung am 9. September 2008 im iranischen Parlament ein Gesetzentwurf gebilligt, wonach der Abfall vom Islam auch strafrechtlich mit dem Tod bestraft werden soll. Bislang konnte das Gericht Gefängnis oder harte Arbeitsstrafen festsetzen. Doch das Gesetz ist noch nicht in Kraft getreten.
Die Verschlechterung der Religionsfreiheit für Christen begann 2004 mit dem Sieg konservativer Parteien. Im Juni 2005 folgte auf die Wahl des konservativen Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten eine neue Welle der Christenverfolgung. Präsident Ahmadinedschad bejubelte seinen Wahlsieg als neue islamische Revolution, die sich weltweit verbreiten könnte, und versprach feierlich die Wiederherstellung einer "islamischen Regierung" im Iran. Die umstrittene Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad im Juni 2009 löste landesweite Proteste aus. Auch aufgrund der großen Demonstrationen der Demokratiebewegung hat die Reaktion des Staates Christen umso härter getroffen. Viele werden willkürlich und ohne ordentliches Verfahren verhaftet und inhaftiert, ohne dass die Angehörigen wissen, wo sie sich befinden. Tausende andere leben in Angst davor. Auch erreichen Open Doors immer wieder Nachrichten, dass Hunderte von Bibeln und anderer christlicher Schriften beschlagnahmt und öffentlich verbrannt werden.
Ethnische Christen
Armenische und assyrische Christen gehören zu den anerkannten religiösen Minderheiten, denen Religionsfreiheit garantiert wird. Dennoch berichten sie von Inhaftierungen, Repressionen und Diskriminierung wegen ihres christlichen Bekenntnisses. Religionswächter bespitzeln Gottesdienste traditioneller, genehmigter Kirchen auf der Suche nach Konvertiten. Traditionellen Christen ist es zudem verboten, Konvertiten zu unterstützen. Wird diese Anordnung nicht befolgt, droht die Schließung der Kirche.
Im Visier der Sicherheitspolizei
Verschiedene Gruppen, die zum Beispiel christliche Literatur anbieten, kamen ins Visier der Sicherheitsbehörden. Auf Christen, die in Gemeinden oder in einer Gebets- und Evangelisationsbewegung aktiv sind, wird Druck ausgeübt. Sie werden verhört, inhaftiert und nicht selten geschlagen.
Ehemalige Muslime
Nach islamischem Recht konnte im Iran ein Muslim, der den Islam verlässt, um eine andere Religion anzunehmen, zum Tode verurteilt werden. Die Regierung ist über das Wachstum der Kirche informiert und will es aufhalten. Christen mit muslimischem Hintergrund werden gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie finden kaum eine Arbeitsstelle oder verlieren ihren Arbeitsplatz, wenn bekannt wird, dass sie Christen geworden sind. Konvertiten mit eigenem Gewerbe mangelt es an Kundschaft. Gefordert wird die Rückkehr zum Islam. Weil es den anerkannten Kirchen verboten ist, einem Gläubigen mit muslimischem Hintergrund beizustehen, haben viele ethnische Gemeinden ihre Unterstützung für Glaubensgeschwister muslimischer Herkunft zurückgezogen.
Konvertiten treffen sich daher in Hausgemeinden und gehen dadurch ein hohes Risiko ein, sollten sie von den Beamten oder Religionswächtern entdeckt werden. Es heißt, die örtlichen Behörden im ganzen Land seien angewiesen worden, gegen Hausgemeinden hart vorzugehen. Diese radikale Politik bedroht die Bemühungen, das Evangelium weiterzusagen und Christen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Oft mangelt es den verstreuten Hausgemeinden an guter theologischer Begleitung und an Studienmaterialien.
Christenverfolgung weltweit - Werden Sie Gebetspate!
Der Iran gehört zur dreijährigen Gebets- und Hilfskampagne "Gefährlicher Glaube" für Christen in der islamischen Welt. 10 Minuten beten für verfolgte Christen und ehemalige Muslime.
Zur Gebetskampagne