Weltverfolgungsindex

China

 

 

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat es bemerkenswerte Fortschritte hinsichtlich der Religionsfreiheit in China gegeben. In der Verfassung Chinas ist sowohl die Freiheit religiöser Ansichten vorgesehen, als auch die Freiheit, keiner Religion anzugehören. Doch die Glaubensfreiheit, die in westlichen Gesellschaften zu den Grundrechten gehört, gilt nicht in gleicher Weise für die Menschen in China.

Nur staatlich genehmigte Kirchen erlaubt

Offiziell erlaubt sind in China nur Drei-Selbst-Patriotische Kirchen. Hausgemeinden verbleiben somit im Stand der Illegalität, weshalb sie legitim geschlossen werden können. Die Verfolgungssituation ist sehr verschieden und trifft manchmal nur auf bestimmte Gebiete zu.

Willkür und Schikane

Doch besonders auf dem Land sind arme Christen auch der Schikane korrupter Behörden unterworfen, die etwa horrende Bußgelder für die Freilassung eines inhaftierten Hausgemeindepastors fordern. In manchen Gebieten werden Hausgemeinden von den Behörden toleriert, in anderen Gebieten jedoch kann es passieren, dass die Leiter von Hauskirchen verhaftet, geschlagen, eingesperrt werden und die Treffen der Hauskirche gestoppt werden. Von Zeit zu Zeit werden in nichtregistrierten Gemeinden auch Razzien durchgeführt. Diese werden durchaus von ranghohen Beamten initiiert, normalerweise vor größeren Ereignissen nationaler oder internationaler Art.

Kontrolle durch Staatsbeamte

Für Mitglieder der offiziellen Kirche hat sich die Religionsfreiheit verbessert. Sie feiern ungestraft lebendige Gottesdienste und haben Zugang zu Bibeln. Hausgemeindechristen, -pastoren oder –leiter können jedoch weiterhin Repressalien durch Behörden erfahren. Die Strafen für die "illegale" Religionsausübung und Bibelverteilung etc. reichen von Schikane, Verhaftung und Folter bis hin zur Einweisung in ein Umerziehungslager. Außerhalb registrierter Kirchen zu evangelisieren, ist verboten. Offiziell verbietet es die Zentralregierung Eltern und Erziehungsberechtigten nicht,  Minderjährigen das Evangelium zu verkünden. Doch auf lokaler Ebene kann es zu Restriktionen kommen. Bei vielen Hausgemeindetreffen, Taufgottesdiensten und Schulungen sind staatliche Sicherheitsbeamte anwesend.

Folter und langjährige Haft für christliche Leiter

Noch immer verhaften die Behörden Hausgemeindechristen und gehen besonders gegen die "Köpfe" von Hausgemeindebewegungen vor. Pastoren und Gemeindeleiter werden verhaftet, gefoltert und gedemütigt. Manchmal bleibt der Aufenthaltsort der Gefangenen unbekannt. Besonders in ländlichen Gebieten kommt es zu Verhaftungen. Polizisten sehen eine Einnahmequelle darin, von verhafteten Christen hohe „Bußgelder“ für deren Freilassung zu erpressen.

Arbeitslager

Werden Pastoren oder Hausgemeindeleiter verhaftet, droht ihnen auch die Einweisung in ein Umerziehungslager. Diese Arbeitslager gibt es im ganzen Land. Mehrere hunderttausend Menschen – darunter Hausgemeindechristen, Regimekritiker, Menschenrechtler – sollen derzeit in Umerziehungslagern sein.

Fortschritte beim Bibeldruck

Offiziell sagen Repräsentanten der staatlichen Kirche, dass es in China genügend Bibeln für die Christen gäbe. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Noch herrscht ein großer Bibelmangel unter den über 80 Millionen Christen, von denen die meisten zu nichtregistrierten Hausgemeinden gehören. Viele können sich keine Bibel leisten oder leben auf dem Land ohne Zugang zu Bibeln. Durch das Wachstum der Gemeinde Jesu in China steigt auch der Bedarf an Bibeln. Manchmal gibt es in einer großen Hausgemeinde nur eine einzige Bibel. Doch jeglicher Bibeldruck außerhalb der genehmigten Druckerei der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung ist verboten. Der staatlich genehmigte, jedoch beschränkte Bibeldruck kann den Bedarf der schnell wachsenden Kirche allerdings nicht decken. Es mangelt besonders an weiterführenden theologischen Studienbüchern und –materialien. Die staatliche Amity Printing Company produzierte seit ihrer Gründung im Jahr 1988 etwa 80 Millionen Bibeln und Neue Testamente. Die meisten der Bibeln werden in anderen Sprachen gedruckt und in mehr als 60 Ländern exportiert. Die Bibeln sind zu einem durchschnittlich erschwinglichen Preis von der offiziellen Kirche verkauft worden und haben den Bedarf in den Städten im Allgemeinen gedeckt. Einige Christen von Hauskirchen waren in der Lage, diese Bibeln zu kaufen. Ebenso gibt es viele religiöse Bücher. Diese sind von akademischen Verlagen und Verlagsgesellschaften, die durch ausländische christliche Gruppen entstanden sind, herausgegeben worden. Bücher aus diesen Verlagen sind in staatlichen und kommerziellen Buchläden erhältlich.

Mangel an christlicher Literatur

In den ländlichen Gebieten, in denen 70 bis 80 Prozent der Christen zu Hauskirchen gehören, gibt es weiterhin einen beträchtlichen Mangel an Bibeln und christlicher Literatur. Oft haben Dorfbewohner nicht die Möglichkeit, in Städte zu reisen, um Bibeln zu kaufen oder können sich diese ohnehin nicht leisten. Andere Hauskirchenchristen ziehen es vor, Bibeln nicht durch die Kanäle der staatlich registrierten Kirche zu kaufen, aus Angst, dass sie vielleicht aufgefordert werden, Informationen über die Mitglieder oder Mitgliederzahlen ihrer Hauskirche zu enthüllen. Christen von Hauskirchen berichteten auch von einer Bibelknappheit. Sie hatten vergeblich versucht, Bibeln in großer Menge aus Buchläden der offiziellen Drei-Selbst-Kirche in größeren Städten zu kaufen. Das Ergebnis ist, dass Millionen von Christen in China noch immer keine eigene Bibel haben. Somit ist es weiterhin notwendig, die Christen mit der Heiligen Schrift zu versorgen.

Große Nachfrage nach Studienliteratur

In Anbetracht des Wachstums der chinesischen Kirche könnte der Bedarf an Bibeln in den kommenden Jahren vielleicht befriedigt werden, denn die neue Anlage der Amity Printing Company, ist imstande, bis zu 12 Millionen Bibeln pro Jahr zu produzieren. Doch die Christen fragen nun nach Studienbibeln, Bibeln mit Konkordanz, Bibeln mit Querverweisen, Jugendbibeln und Bibeln in Minderheitssprachen. Die gute Ausbildung von Pastoren ist sehr wichtig, um Sektenbildung zu verhindern und Gemeinden zu leiten. Diese sind bis jetzt nicht von der Amity für den Vertrieb im großen Stil produziert worden.