Weltverfolgungsindex

Aserbaidschan

Die an Russland, Georgien, Armenien, die Türkei und den Iran grenzende Republik ist offiziell ein säkularer Staat und in etwa mit der Türkei vergleichbar. Die Bevölkerung ist mehrheitlich muslimisch geprägt. Das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit in Aserbaidschan wird laut Verfassung garantiert. Alle religiösen Gemeinschaften sind verpflichtet, sich registrieren zu lassen. Es gibt ein Komitee für religiöse Angelegenheiten, das alle Aktivitäten kontrolliert.  Die Regierung ist gegen jede Form von Religion negativ eingestellt.

In verschiedenen Regionen wächst der Einfluss des traditionellen Islams. Die allgemeine Einstellung gegenüber Christen in Aserbaidschan ist negativ. In dem zentralasiatischen Land gibt es traditionelle protestantische/baptistische, katholische, armenisch-apostolische, russisch-orthodoxe Gemeinschaften sowie Gruppen aus Christen muslimischer Herkunft. Die Unterdrückung von Christen ist nicht nur religiös, sondern auch nationalistisch-ethnisch motiviert. Open Doors-Informationen zufolge werden behördliche Überprüfungen immer strikter. Die Regierung ist bei der Kontrolle von religiösen Gruppen aktiver.

Da in Aserbaidschan die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch geprägt ist, wird das Christentum von vielen als ausländische Religion und die Abkehr vom Islam als Verrat an der Nation betrachtet. Auf Christen mit muslimischem Hintergrund üben die Behörden massiven Druck aus, damit die so genannten "Landesverräter" zum Islam zurückkehren.

Kirchen ohne rechtlichen Status

Alle Kirchen und religiösen Gruppen mussten ihre staatliche Registrierung bis zum 1. Januar 2010 erneuern. Doch seit diesem Datum hat keine neue Gemeinde die Registrierung erlangt. Eine erfolgreiche Registrierung scheint beinahe unmöglich. Nicht registrierte religiöse Aktivitäten sind strafbar; die Geldbußen für eine Gesetzesübertretung hoch. Fast alle protestantischen Denominationen sind heute ohne rechtlichen Status. Privathäuser dürfen nicht für die Abhaltung von Gottesdiensten genutzt werden. Nicht registrierte Gemeinden bekommen Probleme mit der Polizei. Es gibt Hausdurchsuchungen in protestantischen Kirchen. Gemeindliche Leiter werden festgenommen oder mit einer Geldstrafe belegt.

Der Gesetzgebung vom Dezember 2010 zufolge ist es für nicht registrierte Gemeinden gesetzwidrig, sich zu versammeln. Doch einige nehmen das Risiko auf sich. Viele Aseri-Christen finden keine Arbeitsstelle oder haben Schwierigkeiten sie zu behalten. Geheimdienstkräfte beobachten sie genau. Die Rolle der Geheimdienste und der Polizei ist bedeutend.

Die Zahl einheimischer Christen wächst weiter, und manche geben trotz des Risikos ihren Glauben weiter. Das Wachstum der Gemeinde Jesu in Aserbaidschan ist ermutigend. Doch angesichts der gesetzlichen Restriktionen, die weiter zunehmen werden, ist auch eine Zunahme der Unterdrückung zu erwarten.

Einschränkungen und Kontrolle

Die Freiheit, eine Kirche zu bauen, besteht überhaupt nicht. Gemeinden benötigen dafür eine ausdrückliche Genehmigung, die kaum gewährt wird. Herstellung, Einfuhr, Verbreitung oder Verkauf von religiöser Literatur ohne staatliche Genehmigung ist eine Straftat. Gleiches gilt für die Durchführung religiöser Aktivitäten, die nicht ausdrücklich im Statut einer registrierten religiösen Organisation genannt sind. Es bleibt für die Christen damit schwer, christliche Literatur zu erhalten. Die Aktivitäten religiöser Organisationen werden von der Geheimpolizei, dem Komitee für religiöse Angelegenheiten und örtlichen zivilen sowie religiösen Behörden beobachtet.

Christen gelten als Landesverräter

Christen, die die Landessprache Aseri sprechen, werden von der Gesellschaft eingeschüchtert und in den Medien angegriffen. Sie werden als Kriminelle und Landesverräter dargestellt, da das Christentum mit Armenien, dem ewigen Feind Aserbaidschans, in Verbindung gebracht wird. Arbeitgeber behalten Christen oft nur ungern als Mitarbeiter.

 

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