Die Verfassung Algeriens erklärt den Islam zur Staatsreligion und verbietet religiösen Organisationen jede Aktivität, die den Lehren und Moralvorstellungen des Islam entgegensteht.
Soziale Probleme
Seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1962 ist Algerien von politischer Instabilität und sozialen Problemen gezeichnet. Mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit ist das Land eine Brutstätte für Extremisten. Im Ausland geschulte Islamisten rekrutieren Jugendliche für den Kampf zur Errichtung eines islamischen Gottesstaates.
Anti-Missions-Gesetz
Ein im September 2006 in Kraft getretenes Anti-Missionsgesetz beschränkt die Ausübung nicht-islamischer Religionen, indem etwa öffentliche religiöse Versammlungen wie Gottesdienste verboten werden. Organisierte christliche Gruppen müssen sich bei der Regierung registrieren lassen und die Einfuhr von christlicher Literatur wird kontrolliert.
Das Gesetz verbietet jede Handlung, die "ermutigt, zwingt oder Mittel zur Verführung gebraucht, um einen Muslim zu einer anderen Religion zu bekehren sowie die Nutzung von Einrichtungen für Lehrtätigkeiten, Erziehung, Gesundheit, die Nutzung sozialer oder kultureller Einrichtungen, Ausbildungsstätten, anderer Institutionen oder finanzieller Mittel zu diesem Zweck."
Gefängnisstrafe für Evangelisation
Es ist zum Beispiel untersagt, einen Muslim zu evangelisieren, d.h. ihm die christliche Botschaft weiterzusagen. Christen können bei einem Verstoß gegen dieses Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Demnach sind auch Versammlungen in Kirchengebäuden bzw. in dafür genutzten Räumen nicht mehr erlaubt. Verstöße werden mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet. Ausländer, die sich nicht an die Verordnung halten, erwartet neben einer Gefängnisstrafe von mindestens zehn Jahren zudem die Ausweisung aus dem Land.
Isolation der algerischen Christen
Ausländer, besonders Christen, erhalten immer seltener ein Visum. Darin sieht Open Doors den Versuch, die algerischen Christen zu isolieren. Zum anderen wird mit dem Gesetz versucht, christliches Leben in Algerien praktisch zu ersticken. Diesem Gesetz nach müssten sämtliche (nicht registrierten) Hausgemeinden und Hauskirchen geschlossen werden. Die meisten Christen in Algerien versammeln sich in Scheunen, Garagen oder in Ställen. Das ist nicht mehr erlaubt, alle Christen dürfen sich nur noch in offiziellen Gebäuden versammeln.
Kontrolle der Medien
Gemeindeleiter äußern sich besorgt darüber, dass die Regierung die Einfuhr von christlicher Literatur kontrolliert. Es dauert fünf bis sechs Monate, bis eine Genehmigung vorliegt und weitere Verzögerungen kommen hinzu, wenn diese Bücher die Zollbehörde erreichen.
Regelmäßig hat die Regierung Einfuhrbeschränkungen für nicht-islamische Texte und Übersetzungen verhängt. Privatpersonen dürfen eigene Bücher, beispielsweise ihre Bibel, in das Land einführen. Die Regierung verbietet jedoch die Verbreitung jeglicher christlicher Literatur.
Gefahr durch extremen Islamismus
Zwar beobachten Sicherheitsdienste wie die Polizei Christen, doch eine akute Verfolgung befürchten die christlichen Gläubigen eher vonseiten der Islamisten, die die Christen in den vergangenen Jahren mehrmals bedrohten.
Konvertiten
Viele Muslime sind in der Vergangenheit vom Islam zum Christentum übergetreten. Vor allem in der Kabylei gibt es Bekehrungen. Das islamische Recht, die Scharia, verbietet eine Konversion vom Islam zu einer anderen Religion. Ungeachtet dessen ist ein Religionswechsel nach dem Zivilrecht nicht illegal. Aus Sicherheitsgründen und aufgrund von möglichen rechtlichen sowie sozialen Schwierigkeiten praktizieren muslimische Konvertiten ihren neuen Glauben im Geheimen. Mission unter Muslimen ist illegal. Christliche Gruppen und Organisationen dürfen Hilfsprojekte nur durchführen, solange sie nicht missionieren.
Überwachung und Kontrolle
Die Risiken für Christen variieren je nach Aktivität. Wenn sie an einer theologischen Ausbildung teilnehmen, Entwicklungsprojekte unterstützen oder selbst von diesen Projekten unterstützt werden, ist das Risiko für sie geringer. Der Druck oder die Verbreitung von christlicher Literatur ist am gefährlichsten. Überführte Christen werden von Polizisten verhört, eingeschüchtert und überwacht. Zudem drohen ihnen hohe Bußgelder und Gefängnisstrafen.
Gemeinde wächst trotz Einschränkungen
Die Kirche in Algerien wächst. Zurzeit findet dieses Wachstum vor allem unter den Kabylen statt, erreicht aber auch die Volksgruppe der Araber. Zeitungen berichten über den wachsenden Bevölkerungsanteil der Christen, ganz besonders in der Kabylei, einem der ärmsten Gebiete Nordalgeriens. Ein Großteil der Christen in Algerien lebt dort.
Die Regierung erkennt die Protestantische Kirche von Algerien und die Katholische sowie die Orthodoxe Kirche an. Heute gibt es 32 Gemeinden der Protestantischen Kirche von Algerien und etwa 20 unabhängige evangelische Gemeinden.
Werden Sie Gebetspate!
Algerien ist ein Land der dreijährigen Gebets- und Hilfskampagne "Gefährlicher Glaube" für Christen in der islamischen Welt. 10 Minuten beten für verfolgte Christen und ehemalige Muslime.
Zur Gebetskampagne