Weltverfolgungsindex

Ägypten

In Ägypten ist der Islam die Staatsreligion. Die ägyptischen Christen genießen zwar Religionsfreiheit, jedoch keine Missionsfreiheit. Sie werden vielfach wie Bürger zweiter Klasse behandelt.

Kein Religionswechsel für Muslime

Obwohl das ägyptische Recht den Übertritt vom Islam zum Christentum nicht verbietet, ist kein Rechtsmittel für eine offizielle Anerkennung vorgesehen. In Ägypten kann ein Christ zum Islam konvertieren. Muslime jedoch, die Christen geworden sind, haben keine rechtliche Möglichkeit, den Religionseintrag in ihren Ausweisen von "Muslim" auf "Christ" ändern zu lassen.

Grund hierfür ist die Scharia (das islamische Recht). Viele muslimische Gelehrte leiten daraus ab, dass das Verlassen des Islam ein todeswürdiges Verbrechen ist. Nach Artikel 2 der ägyptischen Verfassung ist die Scharia die Grundlage des Gesetzbuches. Zwar ist der Religionsübertritt in Ägypten nicht ausdrücklich verboten, doch Muslime, die zum Christentum konvertierten, sind oft zu einem Doppelleben gezwungen. Um Verfolgung durch ihre Verwandtschaft und die Polizei zu vermeiden, verbergen sie ihren Glauben. Muslime, die zum Christentum übertreten, gelten als Abtrünnige und leiden unter heftiger Verfolgung, von allgemeiner gesellschaftlicher Diskriminierung über Verhaftung bis hin zu Folter.

Entführungen von Christen

Es gibt Berichte über Zwangsbekehrungen christlicher Mädchen durch Entführung und Vergewaltigung. Werden ausländische Christen während eines Besuchs im Land für ihren Glauben aktiv, müssen sie mit Schikanen, Verhaftung und Ausweisung rechnen.
Beziehungen zwischen Muslimen und Christen, die in Ägypten bei beiden Religionsgemeinschaften ein Tabuthema sind, haben in den letzten Jahren oft Spannungen ausgelöst.

Kopten behaupten, dass junge Christinnen regelmäßig entführt und gezwungen werden, zum Islam überzutreten, was oft schwer nachzuweisen ist. Kritiker sagen dagegen, die Frauen würden möglicherweise freiwillig gehen, um der Armut und einer schlechten Familiensituation zu entrinnen. Andererseits diskriminiert das ägyptische Recht Nichtmuslime: Christen dürfen offiziell keine Muslima heiraten (während Muslime Christinnen heiraten dürfen). Es gibt keine Rechtsvorschrift für einen Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion.

Kirchen Ziel von Anschlägen

In den letzten Jahren ist auch die orthodoxe Kirche zur Zielscheibe von Verfolgungen geworden, u. a. in Form von Ermordungen durch radikale Islamisten und Erpressung von "Schutzgeldern". Genehmigungen für den Bau und die Instandsetzung von Kirchengebäuden  werden von den regionalen Behörden kaum erteilt.

Die wirtschaftliche Misere verschärft die Lage der Kirche noch. Ein christlicher Mitarbeiter berichtet: "Die Situation, die ich um mich herum erlebe, betrübt mich oft sehr. In meiner Stadt, die früher vollständig christlich war, wechselt das Bild täglich. Die meisten Bewohner sind jetzt Muslime. Viele Christen sind ausgewandert oder in größere Städte in unserem Land gezogen; die verbliebenen Christen leben oft in Armut."

Werden Sie Gebetspate!
Ägypten ist ein Land der dreijährigen Gebets- und Hilfskampagne "Gefährlicher Glaube" für Christen in der islamischen Welt. 10 Minuten beten für verfolgte Christen und ehemalige Muslime.

Zur Gebetskampagne