Lernschwache Kinder fördern

Fady lebt in Ägypten und stammt aus einer christlichen Familie. Der Siebenjährige besucht eine staatliche Schule. Als im vorigen Jahr nach den Ferien der Unterricht wieder losging, stellten die Lehrer fest, dass Fady noch immer nicht richtig lesen und schreiben konnte. Der Kleine hat große Schwierigkeiten, selbst einfache Sätze in Arabisch zu lesen.

Fady schaffte es auch nicht, seinen Stift richtig zu halten. Der Grund hierfür war offensichtlich: Seine Hände und Arme sind missgebildet. Er schämte sich für seine Behinderung und ärgerte sich über das Mitleid von Lehrern und Mitschülern. Fady isolierte sich mehr und mehr und wurde bald zum Außenseiter. Er machte kaum Fortschritte, seine Leistungen wurden immer schlechter. Seine Frustration wuchs, als Lehrer und Mitschüler zudem begannen, ihn wie ein geistig zurückgebliebenes Kind zu behandeln. Sie sprachen mit ihm sehr langsam, als hätte er Probleme, sie zu verstehen. "Ich bin kein verrücktes Kind", schrie er sie an. "Ich bin genauso normal wie ihr! Nur meine Hände sind verkrüppelt, nicht mein Verstand." - Auch in seiner Gemeinde fiel Fady negativ auf. Er störte die Kinderstunde, war aggressiv, und bald redeten die anderen Kinder nicht mehr mit ihm.

Geduldig sein und Mut machen

Schulung für FrauenMary, eine Kindermitarbeiterin einer christlichen Gemeinde, wollte Fady so gern helfen. Doch sie wusste nicht wie. Wenige Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres hörte sie von einer neuen Weiterbildungsmöglichkeit für Gemeindemitarbeiter, um christliche Kinder mit Lernschwierigkeiten bzw. Analphabeten zu fördern. Das Programm heißt "Take My Hand" und wird vom Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors in Ägypten unterstützt. Christen sind im überwiegend islamischen Ägypten eine Minderheit. In staatlichen Schulen werden christliche Kinder deshalb kaum gefördert, sondern eher benachteiligt. Begeistert meldete sich Mary für das "Take My Hand"-Programm an. Sie betete, dass sie dadurch Kindern auch zu besseren Chancen in der Schule und später im Berufsleben verhelfen kann. 

Eines Tages übte sie – gerüstet mit neuen Lernmethoden – mit Fady und bat ihn, einen Bibelvers von der Tafel laut vorzulesen. Als er ins Stottern geriet, sprang er auf und rannte aus dem Raum. Mary betete: "Gott, lass mich seine Hand nehmen. Ich will ihm helfen, richtig lesen und schreiben zu lernen." In den nächsten Wochen schenkte Mary Fady viel Aufmerksamkeit und war besonders geduldig mit ihm. Nach und nach wurde er zugänglicher und hatte weniger Angst, Fehler zu machen. In den folgenden sechs Monaten lernte er, mit seinen missgebildeten Händen einen Stift zu halten und damit zu schreiben.

Vertrauen gestärkt

Kind mit Lehrer an der TafelDie Prüfungen im April im Jahr 2010 rückten näher. Die Lehrer an Fadys Schule hatten seine Fortschritte wohl bemerkt. Früher hatten ihm Mitschüler und Lehrer gelegentlich bei den Schularbeiten "geholfen", indem sie Antworten für ihn aufschrieben. Aber bei dieser Prüfung hielt der Kleine seinen Stift fest zwischen seinen Fingern und schrieb jede Lösung selbst auf. Mit neuem Selbstvertrauen entwickelte sich Fady zu einem erfolgreichen Schüler mit erstaunlich guten Noten. Er wurde ein ruhigeres, gehorsames und höfliches Kind. Inzwischen kann er es kaum erwarten, zur Kinderstunde in seiner Gemeinde zu gehen. Bei Fragen streckt er häufig als erster und ohne Scham seinen kleinen entstellten Finger hoch, um eine Antwort zu geben. "Auch Fadys Vertrauen auf Gott ist gewachsen. Sein Leben ist völlig verändert", sagt Mary. "Er lernt mehr und mehr, seine Behinderung anzunehmen und sich selbst zu lieben."

Fady ist nur eines von vielen Kindern, die durch die Arbeit von Open Doors Hoffnung und Vertrauen erleben dürfen. Open Doors unterstützt in Ägypten mehrere Projekte, um Kinder aus christlichen Familien mit Schulbildung, Sonntagschularbeit, Freizeit- und Sportaktivitäten zu fördern und zu helfen. 

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